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Trotz Atomausstieg Leistungssteigerung von Schrott-AKW geplant

Petition gegen Leistungserhöhung bei AKW Gundremmingen

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Autor: bib / Walter Kaiser   
Die deutsche Atom-Mafia plant trotz Atomausstieg und Energiewende eine Steigerung der Leistung des gefährlichsten deutschen Kernkraftwerks Gundremmingen (KKG), das mit Siedewasserreaktoren ähnlicher Bauart wie im japanischen Fukushima bestückt ist.

3000 Menschen demonstrieren gegen Atomkraft

Jahrestag der Katastrophe von Fukushima.
Forum will Petition gegen Leistungserhöhung einreichen.

von Walter Kaiser / Günzburger Zeitung/Augsburger Allgemeine

Günzburg: Eine Sirene heult, graue Rauchschwaden steigen auf. Es folgt ein riesiger Knall. Die Lautsprecher vor der Bühne auf dem Günzburger Marktplatz vibrieren. Mit diesem optischen und akustischen Katastrophenszenario beginnt die große Anti-Atom-Kundgebung „Fukushima–Gundremmingen: Abschalten vor dem Gau“. Etwa 3000 Menschen waren am Samstag nach Günzburg gekommen, um gegen die Atomkraft und für eine nachhaltige Energiewende zu demonstrieren. Der weitere Betrieb des Siedewasserreaktors in Gundremmingen sei ein riskantes und unverantwortliches Spiel mit dem Feuer, betonten die Redner der Kundgebung. Die Energiewende von Schwarz-Gelb sei propagandistischer Pfusch.


Die beiden AKW-Blöcke B + C in Gundremmingen zählen zu den gefährlichsten in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerken. Als Siedewasserreaktoren haben sie nur einen Hauptkreislauf; die Steuerstäbe müssen von unten und gegen die Schwerkraft in den Reaktor gedrückt werden. Die beiden Abklingbecken mit jeweils über 2000 verbrauchten und extrem strahlenden Spaltelementen („Brennelementen“) liegen außerhalb des Sicherheitsbehälters. Im AKW Gundremmingen findet weltweit der größte Einsatz der besonders problematischen MOX- und WAU-Spaltelemente in Siedewasserreaktoren statt. Sämtliche anderen Siedewasserreaktoren Deutschlands sind vom Netz. Nur noch in Gundremmingen werden 2 Reaktoren (Block B + C) an einem Standort betrieben. Block B soll 2017 und Block C erst 2021 vom Netz genommen werden. Castor für Castor entsteht in Gundremmingen das größte oberirdische Atommüll-Lager Deutschlands (Stand 2012). Quelle: AugsburgWiki

Heinz Smital, Greenpeace, Hamburg

Pfarrer Stefan Reichenbacher, Neu-Ulm

Raimund Kamm,
„Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“

Videos: fluegel.tv / Stuttgart
Eindringlich schildert Heinz Smittal, Physiker und Atomexperte der Umweltorganisation Greenpeace, seine Eindrücke aus der Region Fukushima. Er habe verlassene Geisterstädte gesehen, verzweifelte Landwirte, die ihre Böden nicht mehr bestellen können, Familien, die auch zwei Jahre nach der Atomkatastrophe nicht wissen, wo sie einmal leben und arbeiten werden. Über die menschlichen Tragödien hinaus habe die Katastrophe gezeigt, dass Siedewasserreaktoren wie in Fukushima und in Gundremmingen im Grunde Fehlkonstruktionen seien. Smittal: „Viele technische Probleme wurden erst durch die Katastrophe bekannt.“

Deshalb sei der weitere Betrieb von Gundremmingen unverantwortlich. Gar ein „Wahnsinn“ seien Pläne, die Leistung bei der Stromproduktion von Gundremmingen sogar noch erhöhen zu wollen. Der Physiker: „Damit würde das Atomkraftwerk in den roten Bereich gedreht.“

Um diese Pläne zu verhindern, wird das „Forum – Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“ eine Petition beim Bayerischen Landtag einreichen, kündigte Vorsitzender Raimund Kamm an. „Wir werden öffentlichen Druck machen, um diesen Wahnsinn zu stoppen“. Eine Vielzahl von Demonstranten unterschrieb die Petition noch auf dem Marktplatz.

Hubert Weiger, der Landes- und Bundesvorsitzende des Bundes Naturschutz, forderte gleichfalls, die deutschen Atomkraftwerke abzuschalten. Niemand dürfe sich täuschen: Bei einem Unfall in Gundremmingen würde nicht nur Schwaben radioaktiv verseucht. Radioaktives Löschwasser gelange in die Donau und damit auch in fernere europäische Länder. Die Atomkraft und die damit verbundene Produktion von hochgiftigem Müll sei „menschenverachtend und menschenvernichtend – auf Jahrtausende hinaus“, sagte Weiger. Es sei anmaßend zu glauben, ein Endlager könnte eine Million Jahre sicher sein. Weiger: „Welch eine Hybris.“

Schwarz-Gelb in Berlin bringe die Energiewende nicht voran, sondern bremse sie bewusst aus. Um die Gewinn der Stromkonzerne zu sichern, würden eine Million Menschen, „die ihr Geld nicht ins Ausland tragen, sondern in die Energiewende investiert haben“, ausgehebelt.

Schindluder treibe die Bundesregierung im Verbund mit den Wirtschaftslobbyisten bei den Strompreisen. Nicht die Energiewende, die Politik sei der Preistreiber. Weiger: „Das ist eine asoziale Marktwirtschaft, eine soziale Sauerei.“ Der Kampf für eine ökologische und soziale Energiewende werde weitergehen, kündigte Weiger an. „Wir lassen uns diese Erfolgsgeschichte nicht kaputtmachen.“

Pfarrer Stefan Reichenbacher aus Neu-Ulm/Reutti erklärte namens des evangelischen Dekanats Neu-Ulm/Günzburg, das Abschalten der Atomkraftwerke sei auch theologisch begründbar. Denn in der Bibel sei der christliche Auftrag verankert, die Schöpfung zu bewahren. Der Geistliche: „Mit der Atomkraft machen wir uns schuldig an unseren Nachkommen und der Schöpfung.“

Abdruck mit freundlicher Genehmigung durch Günzburger Zeitung/Augsburger Allgemeine Dillingen

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