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Ein Reich - aus viel Blut, Eisen, Intrige und Bestechung

Wenn wir das gewußt hätten! - Teil-3

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Autor: bib   
Eine Reichsgründung "von oben" war ab 1862 das politische Ziel des neuen preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Seine Vision war die Einheit aller deutschen Kaisertümer und Königreiche sowie Herzog- und Fürstentümer unter preußischer Vorherrschaft in einem neuen Nationalstaat – das „Deutsche Reich“. Bismarcks Machtstreben verwirklichte sich 1871 nach einer Reihe von Kriegen – unter "Blut und Eisen", wie er es selbst definierte. Die faktisch entscheidenden Anteile dazu hatten die Erfindung des preußischen Zündnadelgewehrs (Hinterlader), eine neuartige Artillerie aus der Waffenschmiede Krupp und diplomatische Intrigen sowie Bestechungen durch Bismarck. Die Weichen zu den Ereignissen von 1866, bis hin zur Proklamation eines deutschen Kaisers 1871, wurden allerdings schon ein halbes Jahrhundert davor gestellt.

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Wiener Kongress 1814/1815 Kongressakte vom 9.Juni 1815

Deutscher Bund 1815-1866

Bundesakte 1815
lwl.org: Bundesakte von 1815 (PDF)
Der Weg zum ersten deutschen Nationalstaat
führte über Wien
Anfang des 19. Jahrhunderts siegten die militärischen Koalitionspartner Großbritannien, Russland, Preußen, Schweden, Österreich und zahlreiche deutsche Kleinstaaten über Frankreich und beendeten somit die Herrschaft Napoleon Bonapartes. Nach diesen sogenannten Koalitionskriegen wurden auf dem Wiener Kongress 1814/1815, unter Vorsitz des im österreichischen Dienst stehenden Fürst Metternich, die Grenzen Europas neu geordnet.

Die alten konservativen, rückwärtsgewandten und von der Französischen Revolution erschrockenen europäischen Monarchien hatten sich in Wien zum Ziel gesetzt, jene Verhältnisse wiederherzustellen, die Europa vor der ersten Französischen Revolution von 1792 geprägt hatten. Diese Restauration sollte unter anderem die Wiederherstellung der Bourbonenmonarchie in Frankreich zur Folge haben. Mit einer Pentarchie, also eine Fünferherrschaft - heute würde man dazu G5 sagen - bestehend aus den monarchischen Siegermächten Großbritannien, Russland, Österreich und Preußen sowie dem Kriegsverlierer Frankreich sollte dafür gesorgt werden, künftige Kriege zwischen diesen Großmächten zu verhindern. Zu diesem Zweck gingen Österreich, Russland. und Preußen zusätzlich die sogenannte „Heilige Allianz“ ein. Damit sollte das monarchische Prinzip gegenüber Frankreich durchgesetzt werden, dem die Verhandler in Wien trotz der Verbannung Napoleon Bonapartes noch immer revolutionäre Tendenzen zutrauten.

Weitere Ergebnisse des Wiener Kongresses waren neben der internationalen Anerkennung der Schweizer Neutralität, die Gründung des „Deutschen Bundes“ als ein politisches Bündnis zur Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit der deutschsprachigen Monarchien und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten und freien Städte. Am 8. Juni 1815 während des Wiener Kongresses wurde mit der deutschen Bundesakte ein völkerrechtlicher Vertrag, sozusagen das erste Bundes-„Verfassungsgesetz“, über die Gründung des „Deutschen Bundes“ verabschiedet und am 10. Juni 1815 von den Bevollmächtigten von 39 deutschen Staaten unterzeichnet. Als Ganzes war dieser Bund somit nach außen durch ein Bundesheer aus Kontingenten der Mitgliedstaaten verteidigungsfähig.

Die Karlsbader Beschlüsse (1819)
Die Fakten der Karlsbader-Beschlüsse in fünf Minuten.
Das innenpolitische Ziel dieses feudalen Bundes war jedoch auf Reaktion ausgerichtet. Aus purer Existenzangst des Adels und der damit verbundenen Revolutionsangst heraus wurde versucht, die Fortführung der Französischen Revolution und die Übernahme ihrer Ideen (code civil, Parlamentarismus, Grundrechte und Verfassung, Republik usw.) im Keim zu ersticken. So sollte eine plebiszitär-demokratische Republik in den deutschen Ländern verhindert werden. Dieses Vorhaben wurde im Geheimen mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 vollendet, in dem der „Deutsche Bund“ als ein feudaler Überwachungs- und Polizeistaat eingerichtet wurde. Insoweit hatten die deutschen Fürstenhäuser und freien Städte die Machiavellieschen Methoden Napoleons durchaus übernommen.

Habsburger Monarchie - Fürst Metternich - Ein System
Mit dem Sturz von Napoleon Bonaparte stellte der Habsburger Staatskanzler, Klemenz von Metternich, auf dem Wiener Kongress die alte feudale Ordnung in Europa wieder her. Metternichs reaktionäre Politik sicherte Europa zwar einen über 40 jährigen Frieden, dieser beruhte jedoch auf Unterdrückung sowie Unfreiheit der Bevölkerung und mündete somit in die deutschen Revolutionen von 1848.

Biedermeier Der Sonntagsspaziergang (1841) von Carl Spitzweg, einem typischen Vertreter der Biedermeier-Epoche. Als Biedermeier wird die Zeitspanne von 1815 (Wiener Kongress) bis 1848 (Beginn der bürgerlichen Revolution) in den Ländern des Deutschen Bundes bezeichnet.

Verfassung des deutschen Reiches vom 28. März 1849 Die Verfassung vom 28. März 1849, auch Frankfurter Reichsverfassung (FRV) oder Paulskirchenverfassung genannt, war die erste Verfassung für einen geeinten deutschen Bundesstaat. Diese Verfassung trat mit seiner Verkündung in Kraft. Allerdings konnte sie keine Wirksamkeit entfalten, weil sich die meisten deutschen Monarchien darüber militärisch hinwegsetzten. Historisch gesehen ist diese erste deutsche Verfassung jedoch die einzig gültige, weil nur diese vom Volk als Souverän legitimiert war.
Vormärz - Epoche des Biedermeier
Eine bedeutende politische Rolle spielte Fürst Metternich, ein gebürtiger Rheinländer, der im Dienst des österreichischen Kaisers stand. Er setzte die sogenannten Karlsbader Beschlüsse von 1819 durch, die eine starke Einschränkung jeglicher politischer Betätigung der Untertanen bedeuteten. Es wurde eine strenge Zensur für alle Veröffentlichungen eingeführt. Literaten wie Heinrich Heine und Georg Büchner emigrierten, ebenso Karl Marx. Diese Unterdrückung und Überwachung der Volksgesinnung ging auf Dauer nicht gut und mündete in die Revolution von März 1848, was dieser Epoche auch die geschichtliche Bezeichnung „Vormärz“ einbrachte.

Andererseits entstand in dieser Zeit eine neue Kultur und Kunst des Bürgertums (z.B. in der Hausmusik, der Innenarchitektur und auch in der Kleidermode) – die Epoche des Biedermeier. Als typisch für diese Ära gilt die Flucht ins Idyll und ins Private. Biederkeit, Kleingeist und eine unpolitische Haltung großer Teile des Bürgertums bestimmen die Biedermeier-Epoche. Den meisten Untertanen fehlte schlicht der Mut gegen die Obrigkeit aufzubegehren. Eine kollektive Feigheit gepaart mit politischer Unmündigkeit.

Bei den Intellektuellen hingegen führte die politische Lage zu Unmut. Die bürgerliche Opposition, die sich mit der Kleinstaaterei und dem Feudalismus nicht mehr abfinden wollte, begann mit der Französischen Julirevolution ab 1830 erneut Rechte zu fordern (Hambacher Fest 1832). Dies mündete 1848 in die bürgerliche Revolution (Märzrevolution) und der Paulskirchenverfassung von 1849. Diese Verfassung sah vor, dass Deutschland eine bundesstaatlich organisierte konstitutionelle Erbmonarchie werden sollte. Die Dynastie beziehungsweise der Regent dieser Erbmonarchie sollte jedoch durch eine demokratische Abstimmung gewählt werden. Am Tag der Verkündung der Paulskirchenverfassung wählte die Nationalversammlung den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser der Deutschen. Allerdings scheiterte diese Verfassung im Wesentlichen darin, weil der preußische König der Meinung war, nur Gott und keine revolutionäre Nationalversammlung könne ihm eine Krone anbieten, die er als Hohenzoller annehmen könnte.

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Die anschließende Verfassungskampagne und die revolutionären Aufstände in Südwestdeutschland und Sachsen, die die deutschen Fürsten doch noch zur Annahme der Verfassung zwingen sollten, wurden im Sommer 1849 militärisch niedergeschlagen. Da die Verfassung rechtlich in Kraft getreten war, handelte es sich hierbei im Ergebnis um einen Militärputsch der alten feudalen Machthaber, auch wenn dies gegenüber der damaligen Öffentlichkeit geschickt als rechtlich legitime Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung dargestellt wurde. In jedem Fall war damit das Verfassungswerk des Paulskirchenparlaments politisch endgültig gescheitert.



 
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