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Kommentar von Gert Flegelskamp

Der Drückerkönig und die Politik

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Autor: Gert Flegelskamp   
Nun hat die ARD doch den Bericht über den AWD und Herrn Maschmeyer gebracht. Ich finde, allzu viel Neues war nicht zu erfahren, denn ein ähnlicher Bericht wurde in der Vergangenheit schon einmal gesendet.

Das Erste - Mediathek - Reportage / Dokumentation
ARD exclusive: Der Drückerkönig und die Politik

In der Presse wurde er unter anderem auch als "der Drückerkönig" bezeichnet, eine aus meiner Sicht falsche Definition. Wenn man von einem Drückerkönig redet, steht für mich an erster Stelle das Unternehmen Bertelsmann (Reinhard Mohn), das mit seinen Drückerkolonnen in den 50er und 60er Jahren den Grundstein für das heutige Verlagsimperium geschaffen hat und heute noch wesentlich intensiver Einfluss auf das politische Geschehen nimmt, als ein Herr Maschmeyer.

2007 berichtete der Spiegel über den Verlagschef Heinz Bauer als Der Drückerkönig, die Sexorgien und die Bauer Vertriebs KG. Aus meiner Sicht der erste Kronprinz im Drückergeschäft und dann kommt erst Maschmeyer als 2. Kronprinz.

Im Vorfeld der Sendung habe ich einen Bericht im Spiegel gelesen (Maschmeyer-Anwalt bedrängt TV-Intendanten), dass sich Maschmeyer "massiv" gegen die Ausstrahlung des Films wehre und deshalb seinen Anwalt Prinz eingeschaltet habe. In gewisser Weise kann ich die Reaktion von Maschmeyer verstehen, nicht aus einem nicht vorhandenen Schuldbewusstsein heraus, sondern weil man nur ihn und sein Unternehmen aufs Korn genommen hat, aber keinen Blick auf Unternehmen wie die DVAG (Deutsche Vermögensberatung AG) oder HMI (Hamburg Mannheimer International, heute Teil der ERGO-Versicherungsgruppe) werfen, deren Machenschaften nicht besser als die des AWD sind.


Die beiden Letzteren haben ganz oder teilweise ihr Vertriebssystem als Strukturvertrieb nach amerikanischem Muster aufgebaut. Wer schon mal von Amway gehört bzw. an einer der Veranstaltungen teilgenommen hat, weiß, wie ein Strukturvertrieb funktioniert. Bei der DVAG wird ebenfalls auf die enge Verflechtung mit der Politik hingewiesen, auf ehemalige und heute aktive wie Helmut Kohl, Theo Waigel, Bernhard Vogel, Horst Teltschik, Friedrich Bohl, Udo Corts, Angela Merkel, Petra Roth oder Guido Westerwelle.

Nun, es ist sicher nicht schlecht, dass ein kleiner Ausschnitt solcher Machenschaften mal veröffentlicht wird, aber es ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Der Blick sollte weniger auf eine Person gerichtet werden, sondern auf die Politik, denn Maschmeyer hat nichts getan, was das Gesetz nicht zuließe und ganz sicher ist auch er nicht der Einzige, der solche Finanzprodukte an den Mann - die Frau gebracht hat. Das haben alle Banken gemacht und die Fachberatungen waren sicherlich auch nicht immer besser, als die von Maschmeyers Drückern. Aber es ist nicht ungesetzlich, allenfalls von den Methoden her am Rande der Legalität und die Verkaufstaktiken von Drückern sollten inzwischen doch jedermann bekannt sein. Und machen wir uns nichts vor, die Opfer von Maschmeyer hatten bei Abschluss der Verträge alle ein Euro-Flimmern in den Augen. Sie haben in der Hoffnung "investiert", ohne weiteres Zutun gute Renditen zu bekommen und sind auf die Nase gefallen. Das liegt auch daran, dass sich viel zu wenige Menschen mit dem Hintergrund des Ausspruches "lassen sie ihr Geld für sich arbeiten" befassen.

Maschmeyer ist nicht der einzige in diesem Land, der skrupellos genug ist, von der Unwissenheit über die Mechanismen des Kapitalistischen Systems zu profitieren, egal, wie viele er damit in ihr Unglück stürzt. Unsere Politiker machen das alle, nicht nur die genannten "Freunde" des Herrn Maschmeyer. Nur tun sich einige da eben besonders hervor, wie z. B. der Herr Riester oder der Altkanzler Schröder. Und es sind nicht nur die "wissenschaftlichen" Mietmäuler Rürup und Raffelhüschen, die zu ihrem eigenen Vorteil Thesen und Aussagen in die Welt setzen, die einer genaueren Betrachtung nicht Stand halten. Nicht nur die Politik lädt diese Mietmäuler als so genannte unabhängige Experten ein. Auch die gesamte Medienlandschaft führt sie als Experten an und es sind viele, auf die das zutrifft. Da sind die ganzen "Experten" der INSM, des IZA, des Bürgerkonvents, des Hamburger Wirtschaftsinstitut, des IFO-Instituts und wie sie noch so alle heißen. Für Geld machen die aus meiner Sicht alles und belegen es "wissenschaftlich" mit Statistiken und Zahlen, welche der Normalbürger nicht überprüfen kann. Es sind alles "Wissenschaftler", die nicht einmal eine Halbjahresprognose auf die Reihe bekommen. Wenn sie aber Prognosen für die nächsten 50 Jahre aufstellen, werden diese Prognosen wie Bibel-Wahrheiten hingenommen, auch von der Presse. Man muss nicht wissen, sondern nur "glauben". Gegen das Geschäft dieser Leute ist die Wahrsagerei auf der Kirmes ein ehrliches Geschäft.

Ich kann auch Veronika Ferres verstehen, dass sie Maschmeyer "sexy" findet. Welche Frau fände 550 Millionen (Manager Magazin, die 300 reichsten Deutschen) nicht sexy? Und wie viele der reichsten Deutschen, oder überhaupt der Reichen, haben Skrupel, Menschen zu ruinieren? Das ist schließlich die Basis des Reichtums.

Maschmeyer ist nur einer von vielen. Eigentlich nichts besonderes, nur einer von denen, die wissen, wie man seine Gier befriedigen kann.

Gert Flegelskamp


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