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Alles nur des schnöden Mammons wegen?

Foschepoth zensiert sich selbst!

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Autor: bib   
Eklat nach 30c3: Prof. Dr. Josef Foschepoth pocht auf seine "geistige Leistung" und forderte den CCC auf, alle bei Youtube eingestellten Videokopien seines Vortrags vom 28.12.2013 entfernen zu lassen.

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heise.de vom 29.12.2013: "30C3: Die überwachte Bundesrepublik"
Gottlieb Biedermaier nodisc 120x130 Kommentar von
Weiland Gottlieb Biedermaier:

Copyright schön und gut. Jedoch sollte gefragt werden, wie der Historiker Foschepoth an seine Kenntnisse gelangt ist. Wer bezahlt seine Forschung? Forscht und arbeitet der Professor vom Freiburger Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte ehrenamtlich, privat oder bezieht er von der Uni aus öffentlichen Mitteln Einkommen und Forschungsgelder? Hat er für seine "geistige Leistung" bereits ein Honorar aus Steuergeldern erhalten oder finanziert er sich ausschließlich selbst durch seine Publikationen? Fragen über Fragen!

Bei solch einem brisanten Thema wie die Überwachung unserer gesamten Zivilgesellschaft, ein Thema mit sehr großem öffentlichen Interesse also, ist es für mich vermessen und bemerkenswert, dass der Referent offensichtlich auf den schnöden Mammon und sein persönliches Einkommen abzielt. Das macht den Herrn Professor dann doch ein wenig unglaubwürdig und hinterlässt einen faden Beigeschmack! Nicht nur das, denn es riecht auch nach Egoismus und Abzocke staatlicher Mittel. Letzteres zumindest dann, wenn diese Forschungen durch öffentliche Mitteln finanziert wurden und nun der Herr Professor von der Uni Freiburg die Forschungsergebnisse jetzt zusätzlich noch in private Erlöse wandelt und lediglich einem kleinen Kreis von Interessierten gegen Entgelt zugänglich macht. Mag sein, dass er das vertraglich ganz legal darf, ob es jedoch legitim und moralisch in Ordnung ist, steht auf einem anderen Blatt.

Möglicherweise muss er sich aber selbst zensieren, weil er ansonsten vom Verfassungsschutz oder unserer verkommenen Politik im Lande mundtot gemacht wird. Etliche andere kritische Publizisten und Journalisten unsere Zeit, etwa Frieder Wagner oder Ken Jebsen, mussten bereits solche Erfahrungen sammeln. Das hätte dann allerdings eine ganz andere Dimension, die ich mir gar nicht vorstellen mag, weil sonst kann ich wieder Nächte lang nicht schlafen.
Was war geschehen? Prof. Dr. Foschepoth, der seit 2005 am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg lehrt und forscht, wird vom Chaos Computer Club (CCC) zum 30. Chaos Communication Congress (30C3) nach Hamburg eingeladen, um dort einen Vortrag zu halten. Der brisante Titel des Vortrages lautete: "Die Bundesrepublik - das am meisten überwachte Land in Europa".

Historiker Foschepoth hielt dann am Samstag den 28.12.2013 auf dem 30C3 im mit mehr als 3000 Zuschauern besetzten übervollen Hauptsaal des Hamburger Congress Centrums seinem Vortrag. Nach unserem Wissenstand schwieg außer heise.de und KraftZeitung.net die gesamte deutsche Presselandschaft kollektiv zu diesem sehr hochbrisanten Referat.

Auf einem Chaos Communication Congress ist es in der Regel üblich, dass die jeweiligen Vorträge in Echtzeit in das Internet gestreamt werden, um ein möglichst breites Publikum weltweit zu erreichen. Solche Streams können jedoch nicht nur angesehen, sondern auch aufgezeichnet werden. Das ist quasi vergleichbar mit einer Fernsehsendung, die per Videorecorder aufgezeichnet wird. Der CCC hat gewöhnlich nichts gegen die Weiterverbreitung der aufgenommenen Streams. Traditionell ist es sogar so, dass Teile des Streams (sog. Dumps) schnell als Videos ins Netz wandern. Dies hilft dem CCC meist noch während der Veranstaltung zu einer schnellen Verbreitung der Beiträge, zumal die CCC-eigenen Aufzeichnungen erst nach und nach veröffentlicht werden.

Nach einem Chaos Communication Congress werden in der Nachbearbeitung dann normalerweise die einzelnen Beiträge unter einer sog. Creativ-Common-Lizenz (CC BY) archiviert und veröffentlicht. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Copyright (©) ist es bei einer CC-Lizensierung erlaubt und sogar erwünscht, unter der Voraussetzung der Nennung des Urhebers, ein solches Werk weiter zu verbreiten. Dies geschieht üblicherweise, durch kopieren oder Einarbeitung in andere Videos oder Tonaufnahmen.

Wie wir aus inoffiziellen Quellen wissen, hat Prof. Dr. Foschepoth einer Übertragung per Stream angeblich zugestimmt, jedoch nicht einer Archivierung und weiteren Veröffentlichung seines Vortrages! Dabei war ihm offensichtlich nicht klar, dass Streams auch Aufzeichnungen nach sich ziehen. Als der Professor diesen Umstand dann bemerkte, hat er den CCC mit Mails eingedeckt und ziemlich sauer den CCC zum Handeln aufgefordert. Dies betraf auch das von uns bei Youtube eingestellte Video.

Gelöschter Foschepoth-Vortrag bei Youtube
Durch einen menschlichen Fehler, bzw. CCC-internen Kommunikationsstau, kam es dazu, dass die Aufzeichnung des Foschepoth-Vortrages nicht nur gestreamt, sondern vom CCC auch noch unter CC-Lizenz aus Versehen zu Youtube hochgeladen wurde. Das war ganz offensichtlich ein Fehler. Der CCC hätte den Vortrag nicht streamen sollen, denn dass es die Stream-Dumps geben würde, musste klar sein. Von den 170 Vorträgen auf dem 30C3 wollten lediglich 2 Events nicht aufgezeichnet werden, einer davon war Historiker Foschepoth. Der andere Event war ein Theaterstück mit dem Titel "V wie Verfassungsschutz", das in der Tat auch nicht gestreamt wurde. Der Stream-Zuseher erhielt dort lediglich den Hinweis: "Diese Veranstaltung ist in ihrem Stream nicht verfügbar." In Zukunft wird der CCC bei den wenigen Referenten, die keine Aufzeichnung wollen, wohl oder übel besser aufpassen müssen, damit eine Wiederholung dieser Unannehmlichkeit nicht mehr stattfindet.

Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte
der Universität Freiburg
Mitarbeiter: Prof. Dr. Josef Foschepoth
Wie wir ebenfalls aus internen Quellen erfahren haben, liegt ein vermeintlicher Grund, warum Foschepoth sich so vehement gegen Aufzeichnungen seiner Vorträge wehrt, in seiner Befürchtung, abrufbare Aufzeichnungen würden dazu führen weniger Vortragsanfragen zu erhalten. Nach unserer Erfahrung mit anderen Referenten, beispielsweise Andreas Popp, Andreas Clauss oder Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider, ist jedoch eher das Gegenteil die Realität. Daher kommt für uns durchaus auch die Möglichkeit in Betracht, dass Foschepoth angesichts finanzieller oder anderweitiger Abhängigkeiten von Dritten zu dieser rigiden Haltung gedrängt wird.

Archiv:
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