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Neujahrsansprache 2009

Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt! - Seite 3

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Autor: Gert Flegelskamp   

WikipediA: Harpyie (Mythologie) Nein, wenn man die Welt von Angela Merkel kennenlernen will, muss man sich das Kapital anschauen. Dazu sollte man vielleicht die griechische Mythologie zu Hilfe nehmen. Betrachten wir das Kapital als die "Götter des Olymp". Diese hatten Helfer, wie z. B. die Harpyien. Harpyien waren der Mythologie nach weibliche Wesen, zur Hälfte mit einem Vogelkörper. Der Sage nach wohnten die Harpyien in einer Höhle auf Kreta und mussten auf Geheiß des Zeus Seelen von Toten in den Tartarus tragen oder auch Leute töten, die seinen Zorn erregten. Die Harpyien sollten z. B. den blinden König Phineus quälen, indem sie ihm das Essen aus dem Mund raubten, aber ihm immer soviel ließen, dass er gerade noch überlebte.
Kommen da nicht Arbeitslosen und Rentnern Vergleiche mit der derzeitigen Situation in den Sinn? In jedem Fall führen sich unsere Politiker wie Halbgötter auf. Aber wer ist der Gott, dem sie folgen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Der Dollar. Nein, nicht der Euro, denn Deutschland ist ein exportlastiges Land und die internationalen Geschäfte werden in Dollar abgewickelt.

Die Götter des antiken Griechenlands waren Fabelwesen, der Phantasie der Menschen, wohl vor allem der Priester entsprungen. Die heutigen Halbgötter sind real, aber sie sind so wenig Halbgötter, wie wir. Sie geben sich diesen Nimbus selbst und wir unterstützen sie darin, zumeist unbewusst. Jeder Gewinn der Reichen wird von der Allgemeinheit erwirtschaftet. Die Gewinne auf dem Finanzmarkt einerseits durch Kreditaufnahmen des Einzelnen, eines Unternehmens oder des Staates. Der Einzelne zahlt mit seinen Kreditzinsen den Gewinn der Geldleihers (Banken). Das Unternehmen schlägt die Zins-Kosten auf die Preise auf und der Staat holt sich die Zinsen über die Steuern herein.

Das produktive Unternehmen macht Gewinne durch den Konsum der Allgemeinheit, aber dieser Gewinn wird von den Arbeitnehmern erwirtschaftet, nicht von den Vorständen oder den Inhabern. Letztere machen nichts anderes als die gesamte Belegschaft, indem sie ihren Teil der Arbeit ausführen. Nur, dass sie einen wesentlich höheren Anteil an dem Gewinn aus den produzierten Gütern bekommen. Hat ein Belegschaftsmitglied eine Idee für ein neues Produkt oder zur Verbesserung eines produzierten Produktes, wird das Belegschaftsmitglied bestenfalls mit einer kleinen Prämie abgefunden, während das Unternehmen für die Idee ein Patent erwirbt und damit dann oft irrwitzige Summen einstreicht.

Politiker werden von der Allgemeinheit gewählt. Das ist allerdings im Kern nicht richtig, denn die Allgemeinheit wählt nur die Hälfte der Politiker, ansonsten wählt sie eine Partei, meist ohne Kenntnis, welche Kandidaten diese Partei dann in ein Parlament entsendet. Das ist das eigentliche Problem. Wir haben nicht, wie behauptet, eine parlamentarische Demokratie, sondern eine Parteiendiktatur. Die Partei bestimmt, wer auf die Kandidatenlisten kommt oder als Direktkandidat aufgestellt wird. Wer glaubt, dass es bei der Auswahl der Kandidaten demokratisch zuginge, ist einfach nur naiv. Nur in den seltensten Fällen schafft es ein Kandidat gegen den Willen der Parteiführungsgremien auf die Kandidatenliste. Im Normalfall werden die Kandidaten aufgestellt, die ihr opportunes Verhalten gegenüber der Parteispitze bereits unter Beweis gestellt haben. Wollen sie gegen den Strom schwimmen, ist ihre Chance für eine erneute Kandidatur gleich null und während der Zeit ihrer Parlamentstätigkeit werden sie von der Fraktionsspitze kaltgestellt.

Wer von Politikern "Bürgernähe" erwartet, ist genau so naiv. Der Weg der Partei wird von der Parteispitze festgelegt, Reden werden sorgfältig ausgearbeitet und dabei sogar die Wortwahl so gestaltet, dass das erwartete Ergebnis (pro oder kontra) nahezu unausweichlich ist, Bei erwartetem positiven Ergebnis wird jedes Wort vermieden, dass eine negative Resonanz auslösen könnte. Will man aber Stimmung gegen etwas machen, werden durchaus deftige Begriffe verwendet. Da Regierung und Parlament gleichzeitig Gesetzgeber sind, haben sie für sich eine Menge Ausnahmeregeln geschaffen, mit denen sie sich davor schützen, für ihre Handlungen zur Verantwortung gezogen zu werden. Kriminelle Handlungen werden nur in den seltensten Fällen einer gerichtlichen Verfolgung ausgesetzt sein. Stattdessen werden parlamentarische Untersuchungsausschüsse gebildet und jede Anklage verläuft nach entsprechender Zeit im Sande.