Home > Politik > Inland > Augenöffner für Europa... oder etwa doch nicht?

Islands Krisenmanagement

Augenöffner für Europa... oder etwa doch nicht?

(1 Bewertung, Mittelwert: 3.00 von 5)
Autor: WissensmanufakturNET / DokuPlaza / bib   
Die isländische Regierung lehnte die Rettung der Banken und der „internationalen“ Kapitalanleger ab und stellte sich auf die Seite ihrer Bürger ein nahezu unglaublicher Vorgang in der heutigen Zeit. Der Präsident Grimsson sorgte für einen teilweisen Schuldenerlass. In den linientreuen europäischen Medien hört man nichts davon...

Andreas Popp - Island rettet Bürger statt Banken

Wir hören derzeit eher wenig bis gar nichts von Island, welches sich in einem vermeintlich unglaublichen Aufschwung befindet, wie selbst der IWF zugeben muss, der ja seine übliche Strategie die oft auf Zerstörung basiert, in Island nicht durchsetzen konnte. Genau diese IWF-Reaktion sollte uns zum genaueren Hinsehen motivieren.

Im Gegensatz zu Europa ließen sich die Isländer nicht die Mär der Alternativlosigkeit einreden, die Banken unbedingt retten zu müssen. Selbst die Drohungen der IWF-nahen Personen, man würde Island international isolieren und zu einem zweiten Kuba eindampfen, wenn es nicht der Rettung der Banken im Interesse der „internationalen“ Kapitalanleger zustimme, ließen die Isländer nicht einknicken. Zu Recht, wie sich nun herausstellt.

Rückblick:
Die Finanzkrise hat Island und seine rund 320.000 Einwohner besonders hart getroffen: Drei Großbanken konnten nur durch eine Verstaatlichung vor der Pleite gerettet werden, die kleine Insel im Nordatlantik steht vor einem Milliardenschuldenberg. Auch politische Opfer hat die Krise gefordert:

Nach massiven Demonstrationen hat die Koalition aus der konservativen Unabhängigkeitspartei von Premier Geir Haarde und den Sozialdemokraten den Forderungen nach Neuwahlen nachgegeben. Die Regierung trat Ende Januar 2009 zurück. Die Wut der Isländer hatte sich bereits im Herbst 2008 entladen, als Island als erstes Land der Welt wegen der globalen Wirtschaftskrise kurz vor dem Staatsbankrott stand. Deshalb ist in dem traditionell EU-skeptischen Island jetzt auch der Ruf nach einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union laut geworden. Bislang hatte der Inselstaat eine Mitgliedschaft stets abgelehnt, da man die fischreichen Gewässer rund um Island nicht mit anderen EU-Mitgliedern teilen wollte.
Die isländische Regierung stellte sich auf die Seite ihrer Bürger – ein nahezu unglaublicher Vorgang in der heutigen Zeit, in der die Politikdarsteller eher Ihren eigentlichen Förderern nach dem Munde reden und vor allem nach deren Vorgaben entscheiden. Der isländische Präsident Grimsson und seine Regierungsmitglieder jedoch sorgten für einen teilweisen Schuldenerlass der eigenen Bürger bei den Banken und ließen die Zocker-Sammelbecken sogar pleitegehen. Nun gründete man auf Bürgerkosten staatlich geführte „Good-Banks“, statt wie z.B. wir Deutschen „Bad-Banks“, die unsere Steuerzahler nun im Interesse der Anleger bis zum Erbrechen zu finanzieren haben.

Diese Good-Banks dagegen sorgen für eine angemessene Kapitalversorgung der Binnenwirtschaft und somit der mittelständischen Unternehmen, die man endlich wieder als Garanten einer gesunden Wirtschaftsordnung anerkennen sollte. Das Ergebnis kann sich – wenn man einmal die Messlatte der bestehenden Ordnung anlegt – sehen lassen, denn hohe Wachstumsraten und steigende Exporte sind zu verzeichnen und führen das ehemalige Pleiteland nun an die Spitze der europäischen Länder. Eine Massenarbeitslosigkeit, die ja im bestehenden System ein großes Unheil darstellt, wurde verhindert und der Sozialstaat gerettet.

Spannenderweise lobt nun der IWF die Erfolgspolitik der Isländischen Regierung – mehr noch, er spricht offen von einem Erfolgsmodell, welches Schule machen könnte. Spätestens hier sollten wir aufhorchen. Wenn der IWF wirklich dieser Meinung wäre, wie er es für den kleinen Inselstaat Island zugegeben hat, warum fordert er dann das genaue Gegenteil für das restliche Europa und sprengt somit die europäische Gemeinschaft? Wenn man im Kopf nur halbwegs aufgeräumt unsere sogenannte Staatengemeinschaft betrachtet, erkennt man deutlich die entstandenen Spannungen der einzelnen unterschiedlichen Wirtschaftsregionen. Allein durch die verfehlte gemeinsame Währung Euro wurde der Effekt des ungerechten Umverteilungsmechanismus besonders deutlich, der aus dem verzinsten Geldsystem herrührt. Die Forderungen des IWF, nun mit irrsinnigen Bankenrettungsmaßnahmen diesen Prozess zu verlängern und zu verschärfen, ist ein klarer Widerspruch zu den Äußerungen In Bezug auf Island. Das Prinzip „Ihr streitet, ich herrsche“ wird wieder einmal mehr als deutlich.

Offenbar hat der IWF Angst, dass die Menschen die Zusammenhänge der unilateralen Dollarwährung hinterfragen, zu denen natürlich auch die Isländische Krone gehört. Die Dollarleitwährung ist gefährdet und somit die Weltmacht. Island aber hat gezeigt, dass man auch im Interesse des Volkes Politik machen kann, und dieser Vorgang sollte allen anderen Regierungsdarstellern der Welt zum Nachdenken verhelfen.

Würde Island allerdings in dem jetzigen Gesamtsystem verbleiben, könnten man in Kürze wieder schwere Zeiten prognostizieren. Zwar geht die Wirtschaft nun wieder aufwärts, aber die von der Regierung im Jahre 2008 eingeführten Devisenkontrollen sorgen dafür, dass die ausländischen Gelder, deren unkontrollierten Abfluss man verhindern will, nun in den isländischen Immobilienmarkt fließen. Man verzeichnet schon jetzt massive Preiserhöhungen der Häuser auf der Insel. Die steigenden Inflationsraten treiben den Immobilienmarkt ebenfalls in die Höhe, da immer mehr Menschen in das „Boden-Gold“ flüchten. Steigenden Hypothekenzinsen um der entstehenden Preis-Blase Einhalt zu gebieten, wären wohl die Folge. Dabei wäre dann vor allem die einheimische Bevölkerung von den steigenden Finanzierungskosten betroffen, denn die ausländischen Kapitalinhaber brauchen eher keine Fremdmittel. Wir erkennen wieder einmal das systemische Dilemma, wenn man die eigentliche Machtfrage berücksichtigt.

Man sieht, dass Island nun neue schwere Zeiten drohen und man diese evtl. entstehende Misere dann der angeblich verfehlten Politik des Präsidenten Grimsson anlasten könnte. Das wäre natürlich ein völlig falsches Signal, denn der erste Schritt der Regierung unter dem amtierenden Präsidenten (der immerhin durchbrachte, die verantwortlichen Bankmanager vor Gericht zu zerren, statt die Banken zu retten), kann man wohl nur als richtig bezeichnen.

Island hat uns ein Zeichen gesetzt, welches dringend Schule machen sollte. Aber nur wenn der Weg im Interesse des Volkes konsequent weitergegangen wird, kann dieser Erfolg nachhaltig sein. Der Plan B könnte Island und evtl. auch Griechenland jetzt helfen und dann auf ganz Europa ausgedehnt werden und würde somit der Welt ein Zeichen setzen. Es ist die Unwahrheit zu behaupten, die Menschen würden ihr Vermögen verlieren oder gar ins Mittelalter zurückgebombt werden, wenn z.B. der Euro wieder abgeschafft wird. Solche Propagandaszenarien werden von der derzeitigen Wirtschaftswissenschaft teilweise tatsächlich nach außen getragen – ein unverantwortlicher Vorgang. Die Menschen würden mit der Einführung des Plan B letztlich ihre Freiheit zurückerlangen, die im Rahmen des Globalisierungswahns generalstabsmäßig abgeschafft wurde.

Links:
www.wissensmanufaktur.net/island
wissensmanufaktur.net

Archiv:
Plan B - Andreas Popp und Rico Albrecht