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Wag the Dog

Affäre Mehdorn

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Autor: Gert Flegelskamp   

Der Verkehrsausschuss des Bundestages ist empört über die Taktiken des Herrn Mehdorn. Aber ein einfacher Satz der Bundeskanzlerin, "wir suchen keinen neuen Bahnchef", zeigt schon heute, dass das Ergebnis aus dem Verkehrsausschuss ausgehen wird wie das Hornberger Schießen. Viel Geschrei um nichts.

Um nichts? das trifft nur auf die Aktivitäten der Politik zu, nicht auf die Sache. Mehdorn bestreitet jede Kenntnis. Das alleine wäre schon ein Grund, ihn zu feuern, denn sagt er die Wahrheit, hat er den Konzern nicht im Griff, lügt er, ist er für diese Position ein für alle Mal diskreditiert. Die Reaktion der Kanzlerin ist jedoch nicht weiter verwunderlich. Für diese Bundesregierung und vor allem für die Kanzlerin und den Innenminister ist Überwachung das A und O, wie sie mit ständig neuen Gesetzen zur Dauerüberwachung der Bürger immer wieder beweisen. Bei der Kanzlerin verstehe ich das, ist es doch sicherlich die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der sie aufgewachsen ist.

Zunächst die Sache an sich. Wenn ein Konzernchef alle, oder zumindest fast alle Mitarbeiter in einem Konzern mit 200.000 Mitarbeitern (die genaue Zahl weiß ich nicht und ist auch nicht wichtig) bespitzeln lässt, gehört er fristlos gefeuert. Die Aussage, es ginge dabei um die Korruptionsbekämpfung, ist geradezu lächerlich, den die absolute Mehrheit der Bahn-Mitarbeiter hat keinerlei Möglichkeit, Korruption zu begehen, das Fahrpersonal nicht, die Streckenarbeiter nicht und auch die Mehrheit in der Verwaltung oder in den bahneigenen Schlossereien nicht. Dazu sind nur relativ wenige der Angestellten oder Beamten der höheren Ebenen in der Lage. Wenn man dann noch lesen kann, dass ein Auftrag über 800.000 € mündlich an die Network Deutschland GmbH vergeben wurde, über den Auftrag soll es dabei keine schriftlichen Aufzeichnungen geben, dann glaube ich hier, eigenartige Vorstellungen der Verantwortlichen über Korruption zu erkennen. Der Auftrag wurde nicht von einem kleinen Sachbearbeiter der Verwaltung, nicht von einem Mitarbeiter des Fahrpersonals oder einem der anderen bei der Bahn beschäftigten Mitarbeiter in dieser Form vergeben, sondern offensichtlich von der Revisionsabteilung. Die Frage, die ich mir stelle: Wie kann ein solcher Auftrag in dieser Größenordnung in den Büchern nachgewiesen werden? Oder hat die Bahn schwarze Kassen?

Es ist schon ein paar Jahre her, da gab es solche Bespitzelungen schon einmal, nur nannte man es damals beim Namen: "Gesinnungsprüfung!" In der danach folgenden DDR gab es dafür ein Ministerium, kurz Stasi genannt und unsere Politiker lassen keine Gelegenheit aus, sich über diese Arbeit der Stasi und der so genannten IM (informelle Mitarbeiter) zu empören. Aber bei einem staatseigenen Konzern reicht das gleiche Verhalten nicht einmal für eine fristlose Entlassung der Verantwortlichen?

Aktuelle Kamera: 60 Jahre DDR