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Gebrauchsanweisung

Denken lernen

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Autor: Gert Flegelskamp   

Als der Herr dem Menschen den Verstand gegeben hat, hat er vergessen, eine Gebrauchsanweisung beizulegen. So lautet das Motto im meinem Logo. Aber vielleicht wollte der Herr das auch nicht. Vielleicht sollte der Mensch selbst herausfinden, wie man ihn nutzt, den Verstand?

Wenn ein Baby geboren wird, kann es nicht laufen, nicht sprechen, nicht sitzen, Es muss das alles lernen und es lernt es u. a. dadurch, dass es seinen Verstand einsetzt, einen Verstand, der bis dahin noch ziemlich leer und völlig unverbraucht ist.

Nun möchte ich nicht die Abfolge schildern, wie ein Baby durch Beobachtung und durch probieren lernt, auf sich aufmerksam zu machen, seine Gliedmaßen im Laufe der Zeit koordiniert zu bewegen, kurz all die Dinge, über die der Erwachsene nicht mehr nachdenkt. Was die Erwachsenen dabei vergessen haben und auch bei ihren Kindern oft nicht ausreichend berücksichtigen, ist der Umstand, dass ein Kind mit all seinen, Erwachsenen oft nicht verständlichen Handlungen, auch seinen Verstand schärft und zu diesem Zweck das Spiel nutzt. Mit dem Spiel lernen Kinder nicht nur, die reinen Bewegungsabläufe zu koordinieren, sondern in dieser Zeit entwickelt sich ihre Kreativität.

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Hier beginnt der Moment, wo Eltern störend in den Entwicklungsablauf eingreifen. Nicht nur Eltern, sondern auch sonstige so genannte Erzieher wie Kindergärtner und Lehrer. Sie beginnen damit, das Spiel in Bahnen zu lenken, vergleichbar mit einer Flussbegradigung. Wenn sie mit Kindern spielen, bestimmen sie die Art des Spiels und stellen die Regeln auf. Wehren sich kleine Kinder dagegen, spricht man von Trotzreaktionen. Man kann sagen, damit wird das Ende der Kreativ-Entwicklung der Kinder eingeläutet. Ab diesem Moment ist nur noch die Anpassung gefragt.

Aber darum soll es in diesem Beitrag eigentlich auch nicht gehen. Diese kleine Einleitung kann allenfalls für junge Eltern als Anregung dienen, sich im Spiel mit Kindern von den Kindern leiten zu lassen, anstatt umgekehrt.

Für viele Erwachsene ist dieses "in Bahnen lenken" in der Kindheit ein prägendes Erlebnis, dass sie ein ganzes Leben begleitet. Viele von ihnen haben viele Fähigkeiten, setzen sie allerdings nur dann ein, wenn es jemand von ihnen fordert und ihnen sagt, wofür. Sie schaffen sich zwar alle im Leben einen kleinen und eigenen Freiraum, aber der ist in den meisten Fällen eng begrenzt, zumeist auf die Faktoren, wo niemand da ist, der ihnen vorschreibt, was sie zu tun haben. Dabei haben sie es heute leichter, als in der Vergangenheit, ist doch die Glotze in der heutigen Zeit das ideale Ausweichmedium, um die Zeit totzuschlagen, in welcher niemand da ist und einem sagt, was man zu tun und zu denken hat. Das sind dann die Menschen, die sich durch das ganze Leben schlenzen, ohne ihr Hirn jemals effektiv zu nutzen. Das Hirn hat dann ungefähr die gleiche Bedeutung wie der Blinddarm (zumindest wie der Blinddarm von den Ärzten bewertet wird.)

Aber, so glaube ich, denken ist erlernbar. Wie jeder neuartige Prozess wird es in der Anfangsphase mit Schwierigkeiten verbunden sein und auch zu Fehlern führen. Aber so, wie permanentes Training Muskeln aufbaut, würde permanentes selbständiges Denken zum Aufbau neuer Synapsen und damit neuen Verknüpfungen im Hirn führen. Vergleichbar aus meiner Sicht mit der Verkehrsinfrastruktur. Wer bisher des Denkens entwöhnt war, ist in etwa vergleichbar mit einem Mitfahrer in einem schienengebundenen Verkehrsmittel. Beginnt er zu denken, löst er sich von der eingleisigen Fahrt und beschreitet die übrige Infrastruktur, zunächst im näheren Bereich (wie im örtlichen Straßenverbund), bis er schließlich das gesamte Verkehrswegenetz nützen kann.



 
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